Arroganz in der Szene

Allgemeines über die lebendige Geschichte.

Moderator: Hagelhans

Beitragvon Hagelhans am Mo 16 Feb, 2009 20:35

Ich frage mich blos, wer hier in diesem Forum, der sich auf eine dem allgemeinen Forumston angepassste art und weise gemeldet hat, abgekanzelt wurde?


Schüler die glauben wir lösen ihre Hausaufgaben, wie es des öfteren vorkommt, und keine konkreten Fragen stellen sondern gleich eine volenndete Arbeit als Antwortposting erwarten, die werden abgekanzelt!
Dass sind nähmlich genau die, welche sich einen pfiff für Geschichte interesieren.

Veranstalter die sich melden bevor sie schnell über der Grenze bei Aldi oder Lidel eine Klamauktruppe eingekauft haben wird immer und gerne geholfen.
Veranstaltern denen man im Voraus kostenlos hilfe angeboten hat, sie dies aus unbestimmten Gründen abgelehnt und sich für andere, historisch weniger gefestigte Leute entschieden haben, über die wird sich meinerseits gerne lustig gemacht.

@Stefan: noch spetiell zum ACW. Es gibt in der Schweiz mehrere Old West Veranstaltungen für Publikum. Ist so etwas wie Cowboy-Markt und obwohl nie wirklicheen Reenactment Standart doch um Meilen besser als fast jeder MA-Markt.

@elias: das unterschied machen zwischen MA-Markt Szene und Mittelalter Reenactmentist zwar einfach aber nicht unbedingt vorteilhaft. Ein unbefangener Besucher der sich ernsthaft für die Sache interesiert und das erste mal mit gleich an eine GroMi gruppe oder an eine Dudelsackband mit SM Fetischklamotten gerät wird es tunlichst unterlassen wieder etwas zu besuchen dass mit Mittelater deklariert ist. Zumindest dan nicht, wen nicht wenigstens irgend wo auf einer Wiese am Rand noch etwas für den Idelekt geboten wird. (Die gehen dan alle nach Augst ans Römerfest. darum ist dort immer so ein gedränge. :smt047 )
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Beitragvon troupier suisse am Di 17 Feb, 2009 07:18

bei leuten die nur dumme ist das echt, ist das wirkliches eisen, kann man das essen, ihr schlaft doch nicht wirklich in den zelten, ist das ein tippi, ist das schwer, schwitzt man da drunter fragen haben nehme ich mir sakassmus und arroganz heraus!


Finde ich eine etwas gewagte Strategie. Nicht alle Leute die an ein Event kommen haben die entsprechende Vorbildung. Es gibt Menschen die noch nie etwas von Reenactment gehört haben, und für die stellt sich dann wirklich die Frage ob etwas echt sei oder ein Nachbau, und ob man wirklich in Zelten schlafe oder nicht. Wenn der erste Kontakt Sarkasmus und Arroganz ist, dann wird böswillige Ignoranz die Frucht dieser Saat sein.

Ich bin Gerry Embleton heute noch dankbar dafür, dass er mich 1992 nicht mit Arroganz und Sarkasmus davonjagte als ich an ein Display der Company auf dem Münsterplatz in Basel herantrat und genau die Frage stellte "ist das schwer" beim Anblick eines Harnischs. Er gab ihn mir in die Hand mit der Aufforderung ihn abzuwägen und ich stellte fest dass er überraschend leicht ist. Er klärte mich dann darüber auf, dass die Geschichte mit den schweren und unflexiblen Körperpanzerungen eine Mär aus alten Schulbüchern sei.

Hätte er mir stattdessen gesagt "Natürlich. Das Ding ist so schwer wie zwei Flugzeugträger. Kann nur von zwölf Mann getragen werden und man braucht zwei Ochsen um ihn vom Platz zu bewegen. Sonst noch 'ne schlaue Frage?". Dann hätte ich mich wahrscheinlich mit einem ein für allemal geprägten Bild der Reenactorenszene des Mittelalters vom Acker gemacht.
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Beitragvon gijoe am Di 17 Feb, 2009 07:30

Ich denke es ist unsere Aufgabe Neueinsteigern zu helfen und dem Publikum zu erklären. Aber es gibt Grenzen, ist der Neueinsteiger nicht bereit seine Impression zu verbessern , lässt man ihn besser fallen !
Hat ein Neueinsteiger interesse seriöses Reenactment zu machen wird er die Anforderungen erfüllen, wenn nicht schliesst er sich einer Klamaukgruppe an.
Die Anforderungen zu senken nur um mehr Leute zu bekommen ist der grösste Fehler ! Die alten Hasen werden unzufrieden und wandern vielleicht sogar ab . Ein "Low Standard Reenactor" wirft sowieso das Handtuch sobald ihm das Hobby langweilig wird.
Heutzutage gibt es genug Events und ich denke die wenigsten haben Zeit alle zu besuchen. So wählt man halt aus. Ich bin schon an einem Sonntagmorgen aufgestanden und hätte am liebsten zusammengepackt un den Nachmittag in der Badi verbracht.
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Beitragvon Stefan vom Basilisk am Di 17 Feb, 2009 08:18

gijoe hat geschrieben:Die Anforderungen zu senken nur um mehr Leute zu bekommen ist der grösste Fehler ! Die alten Hasen werden unzufrieden und wandern vielleicht sogar ab . Ein "Low Standard Reenactor" wirft sowieso das Handtuch sobald ihm das Hobby langweilig wird.


Um nochmal klar zustellen. Ich rede nicht davon, die Anforderungen zu senken. Mir geht es um das Verhalten gegenüber Laien und Neueinsteiger.
Wenn ein Neueinsteiger in einer Reenactement Gruppe mittmachen will, muss er sich natürlich dem Standard der Gruppe anpassen. Aber das ist normalerweise nicht so das Problem.
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Beitragvon Dietrich am Di 17 Feb, 2009 09:32

off topic:
Du warst 1992 bei der Münsterplatz- Veranstaltung, Troupier?
Dann haben wir uns dort wahrscheinlich zum ersten mal gesehen :smt020
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Beitragvon Napoleon am Di 17 Feb, 2009 09:36

Zählen dazu auch Leute die seit 10 Jahren dabei sind und immer noch wie Neueinsteiger rumlaufen oder von dem was Sie darstellen keine Ahnung haben? Erlebe ich in jeder Epoche die ich darstelle....

Man muss immer offen sein, auch wenn es nervt das nach 5 Stunden die meist gestellte Frage ist, gibt das nicht warm, obschon man doch eher hofft das der Besucher sich eher für die Ausrüstung interessiert als dafür ob man schwitzt oder nicht.

Man darf jedoch nicht vergessen das die meisten Leute ihr historisches Wissen aus dem Fernsehen haben und auch meist noch glauben was sie da zu sehen bekommen. Man glaubt nicht was ich im Geschäft alles erlebe oder was die Leute alles unter Mittelalter (Musketier) oder Biedermeier verstehen als Beispiel.

Ich glaube eher das den meisten eine ungewohlte arroganz ausgeht, wenn Neueinsteiger oder eben auch Veranstlter mit der Grossen Kelle anrühren und das Wort "authentisch" zu oft in den Mund nehmen. Klar muss man denen die Hand reichen, aber nicht um jeden Preis. Ich glaube jeder ernsthafte Re-enactor würde bei Anfrage helfen, in welcher Art auch immer, jedoch sind nicht alle einsichtig.

Ich hätte für Huttwil letztes Jahr ca. 60 Leute in SpäMi einkleiden sollen und zwar auf dem Stand so wie die CoSt.G.
Der veranstalter wollte jedoch nichts aus Wolle und es sollte nicht mehr als 25.00 sFr. pro Kostüm kosten??? Tut mir leid, nach dem 3. telefonat habe ich es aufgegeben, denn sie waren nicht einsichtig und wollten es aber so. Authentisch ohne Wolle.

Ich gleube nicht das wir uns verstecken müssen, aber der Ton macht die Musik. Aber wir müssen uns auch nicht zu jedem Preis verkaufen und wenn das eine oder andere etwas schräg rüberkommt, dann wird das auch seinen grund haben.
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Beitragvon Hitomi am Di 17 Feb, 2009 11:24

Gut - ich oute mich nun als arrogant.

Ich erwarte (ob Beruf oder Hobby) ein gewisses eigenständiges Denkvermögen. Ich hasse es, wenn Leute glauben, nur weil ich über eine Information verfüge, ich auch eine "Verpflichtung" habe, diese zu teilen.
Ich bin freigiebig mit Infos, wenn ich anständig gefragt werde, und der/die Fragenstellende(r) bereits eine gewisse Vorarbeit geleistet hat.
Aber Ausnutzen lasse ich mich nicht, da werde ich relativ pricky und "arrogant".

Wenn zum Xsten Mal nachbohrt wird, NACHDEM ich bereits Informationsmaterial & Belege weitergegeben habe, weil die Informationen nicht dem Wunschdenken entsprechen habe, dann verjagt's mir die Hutschnur.
Einige Fallbeispiele der letzten Monate:
"Aber für meine Oberweite brauch ich doch sicher keine Schnürbrust." oder "der Unterschied Baumwolle zu Leinen sieht man nicht" oder "Kannst Du mir nicht eine Kurzabhandlung zum römischen Frauenrecht abgeben" oder "Wissen Sie, die Leute wollen es nicht genau, die wollen deftiges Mittelalter"

Dann muss ich leider sagen "Macht Euren Kram alleine."
Es ist meine eigene Freizeit und meine eigenen Projekte die für solche Arroganz und Ignoranz der Fragesteller drauf gehen.

Schlussfolgerung: ich zementiere mal wieder meinen Ruf "Hitomi ist arrogant".
Und wisst ihr was? In solchen Fällen ist es mir egal. Die Personen, die mir etwas bedeuten, und die Informationen suchen und teilen (entsprechend auch zu schätzen wissen)

Wobei: Ausnahmen gibt es immer. Ich bin bereit, an jeder Museumsveranstaltung zu erklären, was ich tu, warum und wie lange.
Ich bin bereit zum 30sten Mal in einem Vormittag zu sagen "doch, wir schlafen auf Platz", oder "Ja, ich spinne" oder "Nein, ich lebe nicht jeden Tag so." Aber wenn Hobbyeinsteiger und Veranstalter absolut unbedachte Fragen stellen, die sie mit wenigen Mouseclicks (Kinder - wir leben im ZA des Internets, man muss nicht mehr für 2 Wochen in die UB wenn man Grundinfos sucht) oder etwas Nachdenken hätten, dann vertrag ich das mittlerweile nimmer.

Cheers :-)

P.S.: freigiebig mit Infos heisst nicht, dass ich neuerdings eine Leihbibliothek habe, da gelten noch die alten Regeln.
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Beitragvon troupier suisse am Di 17 Feb, 2009 11:42

off topic:
Du warst 1992 bei der Münsterplatz- Veranstaltung, Troupier?
Dann haben wir uns dort wahrscheinlich zum ersten mal gesehen


Stundenlang sogar. Das war die Jubiläimsfeier 600 Jahre Gross- und Kleinbasel vereinigt. Die Company hatte dort ein Display und ich weibelte extra heim und nochmals zurück um mir von Gerry zwei seiner Men-at-arms Ausgaben von Osprey signieren zu lassen. Als weitgehend Unwissender wurde ich damals geduldig und ausführlich informiert (das war damals übrigens noch nicht so grossartig mit Mouseclicks. Angesagt waren UB oder Staatsarchiv)
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Beitragvon Hitomi am Di 17 Feb, 2009 11:45

OT: Gerry ist klasse. Und bei ehrlichem Interesse wird er nie müde, Fragen zu beantworten.
Du hättest ihn letzten Sommer in Bern erleben sollen, als wir stundenlang die Bilderteppiche bestaunt haben.
2tes OT: 1992 war ich noch nicht mal in der Sekundarstufe, daher nicht auf dem Münsterplatz ;-)

OT Ende
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Beitragvon troupier suisse am Di 17 Feb, 2009 12:03

Ich habe damals viel von Gerrys Ausführungen und der Darbietung der Company profitiert, auch die Literaturhinweise waren hilfreich. Aber ich denke hier können wir den Bogen zum Thema zurück schlagen - Wie ich dort erlebte, konnte Gerry mit klaren Worten mangelhafte Darstellungen und falsche Clichee-Auffassungen geisseln.
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