Aachener Erklärung für Living History

Allgemeines über die lebendige Geschichte.

Moderator: Hagelhans

Beitragvon Anubis am Di 15 Jul, 2008 07:53

Es ist auch die Frage wie gehe ich mit Funden um?

Wie gehe ich mit Symbolen um die nun halt um 1933 eine völlig andere Symbolik und auch Wirkung bekommen haben?
Die bei der Gruppe ............. sowieso im keinem Verhältnis mehr sind zu der Anzahl der Darstellung dieser Symbole auf den realen Funden.

Klar es gibt sie bei den Kelten, Germanen, Römern und China usw.

Dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Swastika

Wie viel von unserer Darstellung darf mit unserer heutigen Vorstellung von einer Epoche gefüttert werden?
Das handelt es sich nicht um Kleidung, Ausrüstung usw. sondern um die Art wie sich die Personen verhalten und so durch ihr Auftreten den Besuchern unbewusst auch etwas Vermitteln?

Also nicht nur die Qualität der Darstellung!

Denke da an Saufgelage an Museumsanlässen, Benehmen, Ideologie
im usw.

Zu Ideologie:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ideologie

Kann das ein Papier steuern?

Wir können nun den Menschen von 1000 v. Chr. oder dem 17. Jh. nur
nachempfinden aber nicht wirklich aus der Asche auferstehen lassen!


Mein Senf zu der Sache!
" Lasst andere die alten Zeiten preisen; ich bin froh, daß ich in dieser Zeit geboren bin. "
Publius Ovidius Naso, Ovid römischer Dichter 43 v.Chr. - 18 n.Chr.


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Beitragvon Anubis am Di 15 Jul, 2008 12:59

Auch noch gefährlich sind ideologisch geprägte Blickwinkel in der Geschichtedarstellung!

Diskussion im Magazin für Geschichte Chronico:


http://chronico.de/erleben/menschenorte ... ommentare/

Der Fall...........

http://chronico.de/erleben/menschenorte/0000489/
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Beitragvon gijoe am Di 15 Jul, 2008 13:46

Interessant...
Auch wenn das Sonnensymbol eine altes Zeichen ist sollte man sich überlegen ob es wirklich nötig ist es im Reenactment zu verwenden.
Ich kann auch eine Gestalt mit erregiertem Penis auf meinen Schild malen , das ist historisch korrekt. Aber ist es nötig ? Wie erkläre ich das geschockten Eltern ???

Das geschieht der Gruppe recht ! Auch wenn der Nazi Vorwurf vermutlich etwas übertrieben ist. Auf jeden Fall war man auf einem Auge Blind . Was macht man nicht alles für mehr Mitglieder. :-k
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Beitragvon Hagelhans am Di 15 Jul, 2008 14:17

Ich möchte an diese Stelle mal auf das Zitat in meiner Signatur hinweisen.
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Beitragvon dustoff am Di 15 Jul, 2008 14:22

Gutes Zitat Hagelhans! :smt002
Gruss
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Beitragvon Seegras am Di 15 Jul, 2008 14:36

gijoe hat geschrieben:Ich kann auch eine Gestalt mit erregiertem Penis auf meinen Schild malen , das ist historisch korrekt. Aber ist es nötig ? Wie erkläre ich das geschockten Eltern ???


Kein Problem. Ich biete denen sofort einen Ad-Hoc Vortrag über Moralvorstellungen im Mittelalter verglichen mit denen die besagte Eltern aus dem späten 19Jh tradiieren.

Und ja, ich trag ein Zinnabzeichen welches einen geflügelten Penis darstellt am Hut.
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Beitragvon Parabellum am Di 15 Jul, 2008 15:59

Man kommt dann halt immer wieder an die Grenze, wo Living History/Reenactment halt nicht ohne irgendwelche Abstriche nachempfunden/-gestellt/-gelebt werden kann. Die Beispiele von Hakenkreuzen *) und Erektionen betreffen Moral und Geschmack [ *) in CH]. Wenn man das im abgeschlossenen Reservat lebt und eben nicht als öffentliche Darstellung, dann ist das eine Frage des Einverständnisses aller Beteiligten. Aber dann kommt man sogar dort an Grenzen. Angenommen man lebt eine Kultur nach, in der Menschenopfer, Kannibalismus, Geschlechtsverkehr mit Kindern oder anderes was nach unserem Recht schlicht kriminell ist, praktiziert wird. Dieses zugegeben auf die Spitze getriebenene Beispiel macht doch immerhin deutlich, dass wir halt nicht im Glashaus leben, dass alles eben in erster Linie eine Darstellung und ein "Spiel" ist und halt nicht das wahre Leben. Man kann nicht sagen: ich bin jetzt ein Kannibale gemäss der Kultur der Birsig-Kelten und nehme für mich in Anspruch, das ich das auch praktizieren kann.

Wenn man mit seiner Darstellung an die Öffentlichkeit geht, dann muss man auch Rücksicht auf die moralischen Vorstellungen des Publikums machen. Sonst darf man sich nicht wundern, wenn man als Spinner oder noch schlimmeres Verrufen wird. Wer versucht, in unserer Gesellschaft so zu leben wie man vor xxx Jahren lebte, der kommt schnell mal in den Geruch des "Sektierertums".

Wer das wirkliche Leben so heute noch leben will, der muss sich den Amazonas-Indianern oder den Papua-Kopfjägern oder den Amish oder einem afrikanischen Stamm anschliessen. Aber dort muss er sich einer noch viel strengeren Sozialkontrolle der Gesellschaft unterziehen und alles unterlassen, was er an Narrenfreiheit hier und heute geniessen kann.
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Beitragvon troupier suisse am Di 15 Jul, 2008 16:11

Schlussendlich sind solche Manifeste oder Distanzierungen Akte die davon zeugen dass man eines Problems nicht wirklich Herr wird. Es wäre besser mit dem Krug sorgfältig umzugehen bevor er einen Sprung hat und nicht länger zum Brunnen gehen kann. Erst aus Schaden klug zu werden ist ein Luxus den man sich hier nicht leisten sollte.

Leider gehen jedoch viele Krüge zu vielen Brunnen, und sie sind in ihrer Vielzahl nicht kontrollierbar. Daran werden gemeinsame Erklärungen nichts ändern, denn aus der Masse der Erklärenden wird irgendwann wieder ein stupider Dummbatz heraustreten und alle anderen runterreissen. Und dann kann man ein neues Manifest aufsetzen oder die entsprechende Gruppe auf den Mond verbannen; bloss helfen wird es nicht. Der Sprung im Krug bleibt.

Damit wir uns richtig verstehen - ich habe auch kein Rezept gegen das Übel. Ich weiss auch dass es besser ist eine Kerze anzuzünden als über die Finsternis zu jammern. Bloss sollte man sich nicht zuviel vom Schein der Kerze erhoffen.
Die Welt ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt. (Oscar Wilde)
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Beitragvon Dragoner am Do 17 Jul, 2008 16:51

Achje, achje...
es gibt Leute in diesem Forum deren Intoleranz und "möchtegern" Moralvorstellung beinahe unendlich sind... Vergleichbar mit denen die am 1. Mai Steine schmeissen...

Jeder soll das darstellen was er will. Und wenn jemand schon Wertungen über gewisse Truppenkörper oder Epochen macht überlegt mal alle:

was haben Napoleons Soldaten bei ihrem Zug durch die Schweiz alles angestellt?
was haben die Rotarmisten gemacht in Deutschland nach der Kapitualtion?
wieviel sind durch Alliierten durch die Bombardierungen umgekommen?
wie haben die Amis in Vietnam marodiert?
was machen die Amis momentan im Irak?
etc, etc, etc...

Jaja, ich weiss die anderen haben auch...

Und für GJ Joe: nicht alle Soldaten der "Starkstromtruppe" waren Verbrecher! Deine abwertenden Kommentare sind zum :smt078
Meine beiden Grossonkels würden sich in ihren Gräbern umdrehen wenn sie dich hören könnten!

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Beitragvon Anubis am Do 17 Jul, 2008 17:18

Dragoner

Da hast du was in den falschen Hals bekommen.

Das jedes Volk Dreck am Stecken hat ist glaube allen im Forum klar.

Beispiel:
Auch meine italienische Grossmutter hat miterlebt wie deutsch Soldaten in
ihrem Dorf italienische Partisanen erschossen!
Sie hatte auch immer Angst ihr Bruder währe der nächste!
Er war Partisane.


Sondern wie gehe ich in der Museumswelt mit solchen Symbolen, Ereignissen usw. um!

Ich kann auch nicht die Kreuzigung von ......... darstellen und sagen das es sich um eine historische Gegebenheit handelt und damit dargestellt werden darf oder?

Oder das Vergewaltigen von Frauen im Krieg, egal welcher Zeit!

Oder das Auspeitschen von Seeleuten auf Kriegschiffen des 18. Jh. oder der schwarzen Sklaven!

Oder wie gehe ich mit Symbolen um die nun halt um 1933 eine völlig andere Symbolik und auch Wirkung bekommen haben?

"Die bei der Gruppe ............. sowieso im keinem Verhältnis mehr sind zu der Anzahl der Darstellung dieser Symbole auf den realen Funden."

Es geht um das Gespür und die Frage:
Wie gehe ich mit Geschichte um ohne eine andere Person, Gruppe, Völker und Religion zu verletzen!
Mein letzter Senf zu der Sache!

Das macht eben auch gute Geschichtsdarstellung aus!
" Lasst andere die alten Zeiten preisen; ich bin froh, daß ich in dieser Zeit geboren bin. "
Publius Ovidius Naso, Ovid römischer Dichter 43 v.Chr. - 18 n.Chr.


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