38 cm Batterie Vara in Kristiansand, Norwegen

Sehenswerte Museen oder Ausstellungen, sowie Ehemalige Schlachtfelder.

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38 cm Batterie Vara in Kristiansand, Norwegen

Beitragvon Ormen Lange am So 25 Jul, 2010 13:29

38 cm Batterie ”Vara” Kristiansand, Norwegen
Der Atlantikwall in Norwegen war relativ gut befestigt. Da es aber in Sued- und Mittelnorwegen sogut wie keine Kampfhandlungen gab und diese nach dem WK 2 von der norwegischen Kuestenverteidigung uebernommen worden sind, befinden sich einige dieser Befestigungen in sehr gutem Zustand und sind heutzutage der Oeffentlichkeit als Museum zugaenglich.

Ein besonderes Schmankerl ist die besagte Batterie Vara. Theoretisch gesehen waere sie immer noch einsatzbereit. Zuerst mal etwas geschichtlicher Hintergrund zu dieser Batterie, entnommen aus ”Alarm Kueste” von Michael Schmelke.

Um den Skagerak fuer den feindlichen Schiffsverkehr unpassierbar zu machen, stationierte die Marine an der engsten Stelle zwischen Norwegen und Daenemark, bei Kristiansand (Norwegen) und Hanstholm (Daenemark) zwei schwere Kuestenbatterien vom Kaliber 38 cm. Die Geschuetze dieser Batterien hatten jeweils eine Reichweite von 42.000 m, die verbliebene Luecke im Skagerak schloss man durch ein Minenfeld.

Im sommer 1941 hatte die OT mit dem Bau der Geschuetzstellungen der Batt. ”Møvik” bei Kristiansand begonnen, und am 12. Mai 1942 konnte das erste 38 cm SK C/34 Geschuetz eingeschossen werden. Bis November des gleichen Jahres folgten die letzten 2 Kanonen. Bei der Einweihung verlieh der Abteilungschef Korv. Kpt. Gerhard der Batterie (6/502) den Namen ”Vara”, nachdem Generalmajor der Festungspioniere Vara, welcher im Oktober 1942 bei einem Jabo Angriff bei den Kanalinseln gefallen war. Die Geschuetze standen in offenen Kesselbettungen, die einen 360 Grad Seitenschwenkbereich ermoeglichten, direkt daran schlossen Unterkuenfte und Munitionsraeume an. In dem weitraeumigen Batteriegelaende waren weitere Reservemunitionsbunker, Unterkuenfte, sowie eine Kantine und ein Lazarett angelegt worden. Neben den optischen E-Messgeraeten erhielt die Batterie 1943 auch ein Wuerzburg Riese FmG. Der Schutz des Luftraumes wurde durch eine Flakbatterie mit vier 10,5 cm SK C/32 und 2 cm Kanonen wahrgenommen. Ende 1944 begann die OT mit dem Bau geschlossener Schartenbunker fuer die 38 cm Kanonen, wovon allerdings nur einer bis zur Kapitulation fertiggestellt war.

Nach dem Krieg uebernahm die norwegische Marine auch diese Batterie in ihren Bestand und bildete an den Geschuetzen ihren Nachwuchs aus. Bei dem letzten Scharfschiessen im Jahr 1955 wurde das Zielschiff schon mit dem ersten Schuss versenkt. Heute befindet sich nur noch eine 38 cm Kanone an ihrem alten Platz und dient als Museeumsstueck. Die beiden anderen wurden ausgebaut und eingelagert.

Ergaenzend dazu ein paar Fotos und Videos.
Hier sind eine Anzahl Orignalfotos, die die deutschen Kuestenartilleristen zeigen:
http://movikfort.squarespace.com/video-montage/

und weitere Originalfotos:
http://movikfort.squarespace.com/photos ... s-at-mvik/

Hier Originalfotos, die die Batterie Vara beim scharfen Schuss zeigen:
http://movikfort.squarespace.com/photos ... in-action/

WW2 Batterie Vara Møvik fort Vågsbygd Kristiansand Norway:
http://www.youtube.com/watch?v=Id5wisQc ... re=related

bunkertours - Atlantikwall Norwegen 38 cm Batterie Vara 1996:
http://www.youtube.com/watch?v=sOxOEZMf ... re=related

Die Batterie hat einen bis heute gut funktionierenden Dieselmotor, der heute noch fuer Vorfuerungen gestartet wird:
http://www.youtube.com/watch?v=8QS_bXlL ... re=related

Die dazugehoerige original Feldeisenbahn verrichtet immer noch klaglos ihren Dienst:
http://www.youtube.com/watch?v=DcswxKmp ... re=related
mfg
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Re: 38 cm Batterie Vara in Kristiansand, Norwegen

Beitragvon Tech am Di 27 Jul, 2010 21:26

Vielen Dank für diesen interessanten Bericht aus dem hohen Norden.
Die deutschen Grosskaliber-Kanonen haben schon immer Militärs und Interessierte in ihren Bann gezogen. Das haben sie auch heute nicht verlernt.
Als Artillerist mit rotem Herzblut ist es für mich wiederum spannend zu sehen, dass sich nur die Grösse der Transportmittel und Werkzeuge ändert, die Technik und Methode aber dieselbe bleibt. Was gäbe ich doch dafür, einmal den Geschützdonner eines Abschusses aus solch einer Kanone zu erleben... Dennoch ist es natürlich besser, wenn diese Relikte aus brauner Vergangenheit für immer schwiegen.

"Ein fundamentaler Grundsatz für die kleinen Armeen besteht darin, immer in Massen zu handeln; durch seine Anwendung allein können sie einige bedeutende Unternehmen vollbringen, indem sie darauf verzichten, alles zu decken und nur das Hauptziel anpeilen." (Jomini, 1779-1869)
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Re: 38 cm Batterie Vara in Kristiansand, Norwegen

Beitragvon Zobo am Do 05 Aug, 2010 05:34

Ich war vor wenigen Jahren in Hanstholm (Dänemark) und hab die dortige Anlage besucht. Haben ein kleines Museum aufgebaut, die eigentlichen Geschützanlagen sind in einem "schlechteren" Zustand als scheinbar jene in Norwegen. Meine Fotos find ich irgendwie nicht mehr, aber auf jeden Fall wars noch beeindruckend von der Grösse her. Etwas gröber als "meine" 15.5cm PzHb.
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