Redewendungen

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Redewendungen

Beitragvon Leica am So 18 Apr, 2010 07:06

Hallo Zusammen - ich hab gedacht, dass das hier vielleicht mal Thema war aber nicht wirklich was gefunden. Was vielleicht auch nicht weiter verwunderlich in meinem momentanen "chemiedurchzogenen" Zustand (Nachwehen eines Autounfalls)....ABER....ich suche Redewendungen, die aus dem Mittelalter stammen und am besten was mit Bekleidung zu tun haben.... (so wie "unter die Haube kommen" oder "gut betucht"....)

...wei ich hab anfangs Mai in meiner Ausbildung einen Vortrag über die Anziehgewohnheiten von damals (14./15. Jahrhundert.....plus ein aufgedrücktes Special zu burgundischer Mode)....um die Sache etwas aufzulockern werd ich wohl mit meinen Klamottis in die Schule rennen und so......leider ist Stephan schon wieder im Ausland - sonst hätt ich den glatt mit der Hellebarde vors Schulzimmer gestellt ;-)

Merci bereits im Voraus für Input!
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Re: Redewendungen

Beitragvon Hagelhans am So 18 Apr, 2010 07:55

na da wäre noch "Geld anlegen" "Verlumpen"
irgendwo "rumnesteln"

Dass man bei Hosen in der Schweiz in mehrzal spricht kommt noch immer von den einzelnen Beinliongen.

Hilft dass auch?
Schecke wid Jack
Schaube wird "Tschopä"

Dies sind nur mal spontane Ergüsse. Möglicherweise kommen mir noch weitere in den sinn.
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Re: Redewendungen

Beitragvon Leica am So 18 Apr, 2010 08:50

jo genau so Dinge - einfach alles im Zusammenhang mit Klamottis und Mittelalter!
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Re: Redewendungen

Beitragvon Seegras am So 18 Apr, 2010 08:59

Um an Jack anzuknüpfen: "Das Wams neher denn der Rock"
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Re: Redewendungen

Beitragvon Brundelinchen am So 18 Apr, 2010 11:31

mir fällt nur aus dem Küchensektor der "einen Zahn zulegen" ein wenn man mittels der Kochhaale den Topf dem Feuer näher bringt.....

etwas zu jung:
In der Redewendung "jemandem auf den Schlips treten" ist mit Schlips nicht die Krawatte gemeint, sondern die sogenannte "Schlippe". Die Schlippe bezeichnete früher den langen Rockschoß des Frackes. Tritt jemand darauf, kann das den Frackträger ausbremsen oder sogar zu Fall bringen.

Jemand etwas abknöpfen
Ihn um Geld oder andere Wertgegenstände erleichtern. Reiche Herren trugen früher häufig goldene oder silberne Knöpfe, manchmal auch Münzen oder Medaillen, an ihren Röcken. In Geberlaune schenkten sie gelegentlich solche Knöpfe dem Untergebenen, der seinem Herrn auf diese Weise wörtlich etwas abköpfte.

Jemand unter die Arme greifen:
Jemand in einer Notlage helfen. Wenn ein Ritter bei einem Turnier gestürzt ist, packt ihn sein Knappe unter den Armen und hilft ihm wieder auf die Beine.

Etwas aus dem Ärmel schütteln
Eine Aufgabe mit großer Leichtigkeit, ohne Mühe erledigen. Die Bettelmönche des 13. Jahrhunderts trugen Kutten mit weiten Ärmeln, in denen sie die für die Armen gespendeten Gaben aufbewahrten. Zurück im Kloster schütteten sie dann das erbettelte Gut "aus dem Ärmel".

Blau machen
Wollten Färber Stoffe mit Indigo färben, mußten sie eine Farbstofflösung mit einem bestimmten pH-Wert anrühren. Dieser pH-Wert wurde durch Anreichern der Färbelauge mit Urin erreicht. Um die erforderlichen Mengen an Urin zu erhalten, mussten bzw. durften die Färber große Mengen Alkohol trinken. Mit der Konsequenz, daß an diesen Tagen sonst nicht mehr viel lief. Es wurde eben "blau gemacht".
Variante: blauer Montag; die sich an der Luft schnell indigoartig-blaufärbende Wolle wurde den ganzen Sonntag über im Bad gelassen, um sie montags an der Luft trocknen zu lassen; so konnten die Gesellen an diesem Tage ausruhen.
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Re: Redewendungen

Beitragvon Brundelinchen am So 18 Apr, 2010 11:38

Den Faden verlieren
Nicht weiter wissen. Bezieht sich auf den Ariadne-Faden der griechischen Sage, das Garnknäuel, das Ariadne, die Tochter des Königs Minos von Kreta,dem geliebten Theseus gab, damit er aus dem Labyrinth wieder herausfände. Er durfte also nicht den Faden verlieren.

Ins Fettnäpfchen treten
Durch eine unbedachte Äußerung oder Handlung den Missmut eines anderen hervorrufen.
In erzgebirgischen Bauernhäusern stand zwischen Tür und Ofen ein Fettnäpfchen, mit dessen Inhalt die nassen Stiefel der Heimkehrenden sogleich geschmiert wurden. Wer durch Unachtsamkeit das Fettnäpfchen umkippte und so Fettflecken auf der Diele verursachte, zog sich den Unwillen der Hausfrau zu.

Jemanden am Gängelband führen

Das "Gängelband" ist schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt. Es war ein Band, an dem Kinder beim Laufen lernen festgehalten wurden. Das Wort "gängeln" bedeutete "ein Kind laufen lehren".
Wenn man heute jemanden gängelt, bevormundet man ihn.

Haderlump
Hadern sind die zerkleinerten Textilfasern, die man zur Herstellung von besonders wertvollem Papier benötigt. In der Frühzeit der Papierherstellung, als man noch keinen Zellstoff kannte, waren sie sogar die einzige "Rohstoffquelle". Da man aber im Mittelalter nicht die Mengen Textilien besaß wie heute, wurden nur die alten Lumpen zur Papierherstellung abgegeben, die nun wirklich niemand mehr anziehen wollte.
Die Frauen, die die Lumpen zerkleinern mussten, saßen auf einer Bank, auf der ein nach oben gestelltes Messer montiert war. An diesem Messer zerrissen sie den Stoff, bevor er gereinigt wurde. Da kann man sich vorstellen, was passierte, wenn sich eine der Damen in den Finger geschnitten hat.
Den Männern ging es allerdings nicht viel besser: Da man glaubte, dass die Papierherstellung am besten mit kaltem Wasser funktioniert, fingen die Jungs um 3.00 Uhr in der Frühe an Papier zu schöpfen. Dabei waren sie mit den ganzen Oberarmen im Wasser. Gicht und andere fiese Krankheiten waren die Folge.
Ein Haderlump ist also ein Lumpen, der so am Ende ist, dass man aus ihm Hadern herstellen darf. Es ist also wirklich das Allerletzte.

Kleider machen Leute
So heißt eine Novelle von Gottfried Keller, in der ein Schneider in einem Dorf wegen seiner edlen Kleidung (er hatte gerade keine andere als die, die er eigentlich hatte verkaufen wollen) für einen Grafen gehalten wird.
Aber vermutlich ist es schon eine Feststellung aus dem Mittelalter, denn auch von damals gibt es Geschichten wie diese: Ein Gelehrter ging über den Markt und keiner grüßte ihn. Als er aber in der Amtstracht dann unterwegs war, wurde er von allen gegrüßt. Zu Hause zog er den Anzug aus und fragte verärgert das Stück Stoff: "Bist Du der Doktor oder bin ich es?"

Einen Korb bekommen
Die Redensart nimmt Bezug auf einen mittelalterlichen Brauch. Stand ein junger Rittersmann (oder Knecht, egal) vor dem Fenster eines holden Mägdeleins und begehrte Einlass in ihr Zimmer, Herz und Sonstiges, so ließ sie ihm einen Korb hinunter, in den er sich setzte und daraufhin hinaufgezogen wurde. Holde Fräueins wohnten meist etwas höher (Rapunzel, man erinnert sich). Ob damals die Damen kräftiger waren als heutzutage, oder ob ihnen jemand beim Hochziehen half, wer weiß.
War der Mann der Dame doch nicht so ganz genehm, lockerte sie vorher den Boden des Korbes oder ließ auf halber Höhe an dem Seil so lange rütteln, bis der Boden des Korbes durchbrach und der Minnediener in die Tiefe stürzte. Er war damit durchgefallen.
Auch Martin Luther kannte diese Redewendung schon.

Das geht auf keine Kuhhaut
Heißt, es passt auf kein noch so großes Pergament.
Pergament wurde normalerweise aus Schafs- oder Kalbshäuten gemacht. Wenn etwas zu lang wurde, passte es nicht einmal mehr auf eine (viel größere) Kuhhaut. Der erste Beleg für die Redewendung sind die "sermones vulgares" von Jaques de Vitry (vor 1240).
Die Redewendung hat nichts mit der Geschichte um Königin Dido zu tun, die mit einer aus Kuhleder geschnittenen Leine das Gebiet der zukünftigen Stadt Karthago umspannte.

Kunterbunt
Das Wort "kunterbunt" stammt aus dem 15. Jahrhundert und kommt eigentlich von "contrabund" also "Kontrapunkt" (Lateinisch "contra" = "gegen"; "punctus" = "Stechen, Punkt"); es bedeutete auch damals schon "vielstimmig".



Durch die Lappen gehen
Entwischen, entkommen.
Es geht aber nicht darum, zwischen finnischen Ureinwohnern hindurchzulaufen. Die Redensart stammt aus der Jägersprache. Um das Wild am Ausbrechen aus dem Jagdrevier zu hindern, wurden bunte Lappen zwischen den Bäumen aufgehängt, vor denen die Tiere zurückscheuten. Oft genug durchbrachen sie aber in Todesangst die Absperrung und "gingen so durch die Lappen". Seit dem 18. Jahrhundert wird die Wendung auch auf Menschen angewandt.



Da beißt die Maus keinen Faden ab
Die Redewendung steht wohl in Zusammenhang mit der heiligen Gertrud von Nivelles, die im Mittelalter vor allem zur Abwehr von Ratten- und Mäuseplagen angerufen wurde.
Der Tag der heiligen Gertrud, der 17. März, ist ein wichtiger Tag des bäuerlichen Kalenders, es ist der Beginn des Frühlings. An diesem Tag werden die Winterarbeiten eingestellt und man beginnt mit Feldbestellung und Gartenarbeit. Wenn am Gertrudentag noch gesponnen wird, so behauptete man, werde der Flachs von den Mäusen zerfressen, oder der Faden abgebissen.
Die heilige Gertrud wurde oft mit einer oder mehreren Mäusen abgebildet, die an ihrer Spindel hinaufklettern.
Die Redewendung war wahrscheinlich schon vor 1400 gebräuchlich.


mehr kann ich gerade nicht finden/bzw. hab ich nicht auf Lager :-)
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