von Steve am Mo 26 Feb, 2007 12:00
Ein Wilddieb mit Namen Hans Winkelsee
Wer war Hans Winkelsee? Er trat ziemlich spät, nämlich im Jahr 1852, ans Licht der Öffentlichkeit. In Ludwig Bechsteins Deutschem Sagenbuch erschien die Geschichte zum erstenmal gedruckt. 1861 übernahm sie Friedrich Enslin in sein Frankfurter Sagen- und Märchenbuch, 1911 erzählte Friedrich Bothe sie neu in einem Buch für die Frankfurter Schuljugend. Der deutsche Professor Karl Simrock hatte gar ein Gedicht über den Wilddieb Hans geschrieben. Er soll den Namen Winkelsee erfunden haben. In der überlieferten Sage habe der Mann nur Hans geheißen. Wann sie entstanden ist und über wie viele Jahrhunderte hinweg sie von Generation zu Generation weitererzählt wurde, weiß man nicht.
Helmut Bode erzählt die Geschichte in seinem »Frankfurter Sagenschatz« neu. Da war dieser Winkelsee ein »freier Wildpretschütz« in den Frankfurter Wäldern, der schließlich dem Forsthüter in die Falle ging. In anderen Versionen heißt es gar, er habe einen Wildhüter erschossen. In allen Geschichten wurde er gefangen und in den Eschenheimer Turm gebracht, direkt unter die knarrende Wetterfahne. Wie es sich gehört, verliebte sich ein Mädchen in ihn. In den meisten Versionen ist es die Enkelin des Turmwächters, blond, blauäugig, ein richtiges herziges Kind. In einem Buch hessischer Sagen aber heißt es: »Da war eine Schwarze, die ihn mehr als alle anderen zu fesseln vermochte, und die es ihm nicht vergessen konnte, daß sie schließlich von ihm verlassen worden war.« In der Fassung von August Verleger heißt es nur, daß man ihm verkündet habe, er werde nach neun Tagen »mit des Seilers Tochter Hochzeit feiern«. Das heißt, er werde gehenkt.
Der Fortgang der Geschichte ähnelt sich dann in allen Fassungen: Nach neun Tagen wurde der Wilddieb ins Freie geführt. Der Galgen stand bereit. Doch hatte Winkelsee den letzten Wunsch geäußert, mit neun Kugeln eine » 9« in die Wetterfahne schießen zu dürfen. Wenn ihm dies gelinge, so sagten die Herren vom Rat, werde ihm das Leben geschenkt. In der bekanntesten Fassung war es die Liebe zur blonden Bärbel, die ihm den Mut zum Gelingen gab. Die Herren vom Rat hielten nicht nur ihr Versprechen, sondern boten dem Meisterschützen auch das Amt des Schützenmeisters an. Doch ihn zog es wieder in die Wälder. Er wurde zum Forstmeister bestellt. Und die blonde Bärbel ward die Forstmeisterin.
Anders im Hessischen Sagenbuch. Da tauchte die »Schwarze« auf und rief in die Menge, sie wolle nach altem Recht den Verurteilten vor dem Galgen bewahren, wenn er sie zur Frau nehme. Doch Winkelsee wandte sich ab und bat, lieber neun Schüsse tun zu dürfen. Nach vollbrachter Tat wurde ihm auch in dieser Fassung das Amt des Schützenhauptmanns angeboten. Doch er wählte die Freiheit und zog in die Wälder. Allein. Bei dem Autor Verleger heißt es schließlich: »Hans Winkelsee hatte zuviel Scheu vor der Stadt, wo statt der grünen Bäume Galgen aus dem Erdboden wuchsen. Er verschwand auf Nimmerwiedersehen.«
Die Frage »Wie kam der Neuner in die Wetterfahne?« stellt sich heute nicht mehr. 1874 hatte den Turm der Blitz getroffen, die Fahne schmolz dahin. Im Jahr 1859 aber hatte der Zeichner Carl Theodor Reiffenstein noch neun Löcher gezählt, die nach seiner Meinung einwandfrei »reingeschossen« worden waren. Bei der neuen Wetterfahne begnügte man sich mit sechs (eingestanzten) Löchern. Erst seit 1976 hat der Turm seinen »Neuner« wieder.
Das war leicht, Google sei dank, du hättest nicht den Tip mit dem Namen geben dürfen.
Gruß
Steve